Brunnenfiguren sind modelliert

Der Braunschweiger Bildhauer Magnus Kleine-Tebbe, Frithjof Meussling und seine Mitarbeiter haben gute Arbeit geleistet – in der Arbeitsgemeinschaft zur Erneuerung des Schönebecker Marktbrunnens im Pretziener Unternehmen.

Mit einer von Kleine-Tebbe entwickelten, speziellen Knetmasse hat der Künstler nun die vier Brunnenfiguren an bzw. auf den Altoriginalen modelliert, so dass jetzt sein Messpunktsystem in Anwendung kommen kann und die neu zu brechenden unterfränkischen Muschelkalkblöcke aus Kirchheim auf den Weg gebarcht und behauen werden können.

Die Methode, ohne weitere Kopien auszukommen, ist vom Künstler selbst entwickelt worden und erspart dem Gesamtvorhaben eine sechststellige Summe. Martin Hennig vom Elbufer Förderverein machte sich am 4. Juni ein Bild vom rasanten Fortgang der Arbeiten und der nun entstandenen Modelle der Elbe, des Bergmanns, des Schiffers und des Industriearbeiters. Der Betrachter darf sich freuen: Die Figuren besitzen sowohl eine lebendige Ausstrahlung und überzeugende Detailfreudigkeit des Urzustands als auch eine gelungene, wieder erstrahlende Ästhetik. Natürlich zog zu allererst die (sehr) weibliche Hauptfigur die Blicke auf sich und diesen blieb nicht verborgen, dass die neue Elbe ein freundliches, selbstbewusstes und sehr charmantes Antlitz haben wird, was durch die jahrelange, regensaure Verwitterung weitgehend verborgen geblieben war. Allein der Faltenwurf über die noch Faltenlose ist sehenswert. Das alte Wappen erscheint nun wieder und auch bei den Männern so manches lange Verblichene.

„Die Erschaffer dieses Brunnens wussten, was sie taten“, sagt Frithjof Meussling vom Steinmetz- und Restaurierungsunternehmen, und er meint damit nicht nur die den Blickhöhen angepasste, unterschiedliche Größenordnung der Figuren; die fein abgestimmte, gelungene Gesamtanordnung des Ensembles, die Detailfreude sowie die sinnbildliche und physische Ausdrucksstärke. Er meinte auch die technische Fundiertheit des Wasserspiels und ihrer Versorgung in verschiedenen Ebenen und mit dauerhaften Materialien wie etwa den Kupferleitungen. Dieser Brunnen war ein Meisterwerk und soll es offenbar auch wieder werden. Das Ziel, ihn noch dieses Jahr fertig zu stellen, mag der heutige Betrachter kaum glauben. Immerhin sind rund 80 Brunnenteile zu bearbeiten, tonnenweise Material ist auf dem Hof in Pretzien gelagert, zum Teil gebrochen. Martin Hennig, der mit seinem Verein die Finanzierung (rund 200 000 Euro Gesamtkosten) vorantreibt, sagt, man sei auf einem guten Wege. Aber noch immer sind Spenden nötig und willkommen, fügt er hinzu.

 

brunnen2