Carl Hermann – Entdecker & Unternehmer unserer Stadt

Text: Dr. Frauke Richter, Standortleiterin Schirm GmbH Schönebeck

Carl Samuel Leberecht Hermann absolvierte in Halberstadt eine pharmazeutische Ausbildung und übernahm 1792 die Apotheke in Groß Salze auf dem heutigen Marktplatz in Bad Salzelmen. 1794 bat er den damaligen König Friedrich Wilhelm III, ihm die Abfälle aus

Carl Samuel Leberecht Hermann, geb. 20. Januar 1765 zu Königerode a. Harz, gest. 1. September 1846 zu Schönebeck Foto: Archiv

Carl Samuel Leberecht Hermann, geb. 20. Januar 1765 zu Königerode a. Harz, gest. 1. September 1846 zu Schönebeck Foto: Archiv

der königlichen Saline (Gewinnung von Kochsalz aus Sole) wie Salzschlamm, Pfannstein und Mutterlauge zu überlassen, um die damals als wertlos geltenden Abfälle zunächst im Labor zu Salzsäure, Natrium-, Kaliumund Magnesiumsalzen umzusetzen. Diese Produkte fanden Anwendung als Abführmittel, als Badesalz, in Gerbereien, als Geschmacksverstärker oder als Düngemittel.

Der König entschloss sich, dieses von Hermann initiierte Unternehmen fortzuführen und gründete 1797 auf dem Gelände der Schönebecker Saline die „Königliche Preußische Chemische Fabrik“. Carl Hermann wurde als Administrator eingesetzt. 1806 gelang Hermann die erstmalige Produktion von Soda (Natriumcarbonat) als Rohstoff für die Seifen-, Waschmittel- und Glasindustrie. 1816 entdeckte Carl Hermann im Zinkoxid, was als Wundheilmittel gilt, ein neues Element: das Cadmium.

Hermann erreichte weltweite Bekanntheit und Anerkennung. 1829 wurde Hermann zum Kommerzienrat ernannt, er erhielt den Adlerorden III. Klasse mit Schleife, die Ehrendoktorwürde der Berliner Universität sowie einen Ehrenbürgerbrief der Stadt Groß Salze. Nach dem Tod von Carl Hermann 1846 übernahm sein Sohn Otto die Leitung der Firma und 1870 sein Enkel Hans Hermann.

1873 wurde die damalige Fabrik von der Salineinsel zur heutigen Geschwister-Scholl- Straße umgesiedelt und 1877 in die „Hermania AG“ umgewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die „Hermania“ in Volkseigentum über und wurde 1960 an das Magdeburger Werk „Fahlberg List“ angegliedert. Eine der ältesten Chemiefabriken Deutschlands existiert noch heute erfolgreich als Schirm GmbH, ein weltweit agierendes Unternehmen zur Herstellung von Agro- und Feinchemikalien.

Die Schirm GmbH beschäftigt am Schönebecker Standort derzeit ca. 230 Mitarbeiter-/innen mit steigender Tendenz. Weitere Investitionen wie der Bau von Flüssigformulieranlagen stehen bevor. Im Herbst 2015 soll eine weitere Syntheseanlage zur Herstellung von Fein- und Spezialchemikalien in Betrieb genommen werden.

2004 wurde das Schönebecker Gymnasium nach der Fusion des Dr.-Tolberg Gymnasiums und des Gymnasiums Malzmühlenfeld in „Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium“ umbenannt. Ebenso erinnert die Schönebecker „Hermannstraße“ an den großen Entdecker und Unternehmer.