Damit der Turm nicht in Vergessenheit gerät

Christian Jakobs beschäftigt sich mit der Historie der einstigen Sternwarte

Die Sonne blinzelt durch das Geäst, scheint den ehemaligen Aussichtsturm in Szene setzen zu wollen. Nicht mehr ganz so mächtig wie einst thront der 12,90 Meter Turm auf dem 94 Meter hohen Hummelberg. Das mehr als 140 Jahre alte Bauwerk ist dem Verfall preisgegeben.

Christian Jakobs befasst sich intensiv mit der Geschichte der einstigen Sternwarte auf dem Hummelberg.

Christian Jakobs befasst sich intensiv mit der Geschichte der einstigen Sternwarte auf dem Hummelberg.

Seit Jahrzehnten fristet das durch den Kaufmann August Wilhelm Allendorff im Jahr 1870 als Sommerhaus errichtete Objekt ein verlassenes Dasein. Bemühungen der Stadt, das Areal rund um den Turm Mitte der 1990-er Jahre zu beleben, sind gescheitert. Ein junger Mann rückt den Turm, der um die 1960-er Jahre als Sternwarte genutzt wurde, wieder in den Fokus. „Ich habe das Gebäude 1992 bei einem Schulausflug kennen gelernt“, erzählt Christian Jakobs beim Fußmarsch an einem sonnigen Märzmorgen. Für den damaligen Erstklässler hat es eine Faszination ausgeübt, weil es wie eine Ritterburg gewirkt habe. War er als kleiner Junge häufiger dort, verlor er den Turm später aus den Augen.

Um sich ihm dann ab dem Jahr 2008 wieder intensiver zu widmen. Er wälzte Bücher, recherchierte im Internet, ging ins Kreismuseum und Stadtarchiv. Im weltweiten Netz fand er so gut wie gar nichts. Auch in Büchern war es schwierig. Aber im Archiv und im Museum wurde der Hobby-Historiker fündig. „Der Hummelberg war einst eine Kultstätte“, erzählt der 28-Jährige und stoppt vor einem Kellergewölbe. Heute wird dieses von Fledermäusen  als Winterquartier genutzt. Von hier aus ist das alte Gemäuer schon sehr gut sichtbar. Und: Hier sind vor über 170 Jahren Knochen gefunden worden. Noch bevor hier der Turm entstand, hatte sich eine Schankwirtschaft auf dem Hummelberg angesiedelt, ein Wohnhaus samt Keller war entstanden. Es gab kulturelle Feste. Zu Pfingsten zog es die Menschen in Scharen hierauf.

Ist die Sicht bei schönem Wetter doch einmalig. Inzwischen ist es verboten, den Turm zu betreten. Er ist baufällig. „Aber er zerfällt nur langsam“, hat der Mann, der beruflich als Medientechniker tätig ist, festgestellt. Einzig das Sturmtief Xynthia hat im Jahr 2010 Spuren hinterlassen. Aber keine, die nicht zu beheben wären. Alles, was Christian Jakobs bislang heraus – gefunden hat, hat er auf seiner Webseite www.sternwarte.de.vu zusammengefasst. Auch, um weitere Interessierte zu finden. Vielleicht kann aus seiner Vision, den Turm wieder begehbar werden zu lassen, irgendwann Realität werden.