Die unendlich nasse Geschichte

Verbund der BI Grundwasser bereitet öffentliche Versammlung vor

Es riecht vermodert, das Wasser steht 25 Zentimeter hoch im Keller, an Außenwänden macht sich die aufsteigende Feuchtigkeit durch Kristalle bemerkbar, die sich in den Beton zu fressen scheinen. „Das ist so, seitdem die Straße zwischen August 2008 und Juni 2009 grundhaft ausgebaut wurde“, sagt Heike Lorenz. Seit 1979 wohnt sie in dem Haus an der Dr.-Tolberg-Straße. Nasse Keller kannte die Pensionsbetreiberin bis dato nicht. Während der Arbeiten in der Straße sei an drei Stellen das Grundwasser angeschnitten worden – mit fatalen Folgen für die Anlieger der gesamten Straße. „Aber einen Baustopp gab es nicht.“ Und auch keine Anstalten, die Stellen zu verschließen. Dass der Untergrund aus brüchigem Buntsandgestein besteht, sei bekannt gewesen. Doch es hätte im Vorfeld ein richtiges Baugrundgutachten für den Kanalbau gemacht werden müssen. Das sei nicht passiert, sagt Heike Lorenz kopfschüttelnd.

Ein Fehler im Vorfeld, weitere mehr während und nach dem Ausbau der Straße: Heike Lorenz gründete mit weiteren Betroffenen eine Bürgerinitiative. Sie versuchten, sich Gehör zu verschaffen. Wollten einfach nur den Zustand wieder hergestellt haben, wie er vor den Arbeiten war. Ein Gutachten über den KSA (Kommunaler Schadensausgleich) wurde erstellt. „Aber mit vielen Fehlern“, wie sich für Heike Lorenz herausstellte.

Das Maßband macht deutlich: In diesem Keller an der Dr.-Tolberg-Straße steht das Wasser derzeit 25 Zentimeter hoch.

(+) Das Maßband macht deutlich: In diesem Keller an der Dr.-Tolberg-Straße steht das Wasser derzeit 25 Zentimeter hoch.

Ein Gutachten des unabhängigen Labordienstleisters Öko- Control ergab einen „anthropenen Aquifer“ – einen „von Menschenhand geschaffenen Grundwasserleiter“. Eine Bestätigung für die BI-Mitglieder, dass der Schaden durch die Bauarbeiten verursacht wurde. Im gleichen Gutachten kam auch heraus, dass das Wasser, das in den Kellern steht, stark sulfathaltig ist. Die Sulfate zersetzen sukzessive den Beton. Die BI-Mitstreiter wandten sich zunächst an die Stadt. Mehrmals. Erfolglos. Fernsehsender berichteten in den zurückliegenden Jahren mehrmals über die Situation. Das brachte deutschlandweite Aufmerksamkeit, aber auch keine Lösung. Langsam mache die Stadt einen Schritt auf die Betroffenen zu. Probleme mit Grundwasser gibt es längst nicht nur in Bad Salzelmen. Ende November 2011 haben sich Mitglieder der Bürgerinitiativen Felgeleben, Am Randel, Bad Salzelmen, Sachsenland, Am Kunstanger und Wohngebiet 21 zum „Verbund der BI Grundwasser“ zusammengeschlossen. Sie hoffen, als eingetragener Verein mehr Gehör zu bekommen. Von städtischer Seite sind im vergangenen Jahr Arbeitsgruppen gegründet worden. „Wir haben unsere Mithilfe angeboten, aber der Oberbürgermeister hat abgelehnt“, bedauert Heike Lorenz.

„Wir wollen trockene Häuser, eine nachhaltig gesicherte Wiederherstellung gesicherter Lebensgrundlagen sowie die Absicherung nicht gesundheitsgefährdender Wohnverhältnisse“, fasst sie die Ziele des Vereins zusammen. Auch Transparenz zwischen Rathaus und Bürgern zu schaffen und angrenzende Gemeinden einzubeziehen sei wichtig. Anfang März wollen Heike Lorenz und Mitstreiter eine große öffentliche Versammlung organisieren, zu der sie auch kompetente Vertreter der Stadt einladen. Fast vier Jahre nach dem Ende der Bauarbeiten sei es an der Zeit, eine Lösung zu finden. Die Vereinsmitglieder geben nicht auf, werden weiter dafür kämpfen.