Ein klarer Sieger und ein überraschender Zweiter

Stichwahl muss die Entscheidung bringen: CDU-Kandidat Bert Knoblauch tritt gegen Einzelbewerber Holger Goldschmidt an

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Wie erwartet konnte keiner der sechs Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreichen. Einen Sieger gab es am Abend des 15. Dezember dennoch. Bert Knoblauch (CDU) erhielt bei der Oberbürgermeisterwahl 40,1 Prozent der Stimmen.

Auszählung im Wahlbüro in Felgeleben: Schnell wurde deutlich, wer hier die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte.

Auszählung im Wahlbüro in Felgeleben: Schnell wurde deutlich, wer hier die meisten Stimmen auf sich vereinen konnte.

Zur Stichwahl am 12. Januar tritt mit Holger Goldschmidt ein Kandidat an, den wohl nicht alle auf der Rechnung hatten. Obwohl FDP-Mitglied, war der Elbenauer als Einzelbewerber an den Start gegangen. Ein Plan, der zumindest bis hierhin aufgegangen ist. Enttäuschend war indes die Wahlbeteiligung. Waren zur Abwahl von Alt-OB Hans-Jürgen Haase noch 61,2 Prozent der Schönebecker an die Urnen getreten, wollten lediglich 35,9 Prozent ein neues Stadtoberhaupt wählen. „Ich bin ganz entspannt.“ Bert Knoblauch lächelt.

Es ist 18:25 Uhr am Wahlsonntag. Auf der großen Leinwand, die im Restaurant „Holzwurm“ aufgespannt ist, erscheint noch kein Zwischenergebnis. So ganz abnehmen mag man es dem CDU-Kandidaten nicht. Ein wenig Anspannung steckt auch in ihm. Nach aufregenden Wahlkampfwochen mit wenig Schlaf ist der Christdemokrat froh, dass die Entscheidung nun bevor steht. „Wie auch immer sie ausgeht“, sagt er und gönnt sich im Kreise seiner Parteikollegen einen Schluck Bier.

Abstimmung im Wahlbüro im Solequell: Die Beteiligung an der Oberbürgermeisterwahl war mit 35,9 Prozent sehr schwach.

Abstimmung im Wahlbüro im Solequell: Die Beteiligung an der Oberbürgermeisterwahl war mit 35,9 Prozent sehr schwach.

Nachdem er am Morgen seinen Stimmzettel abgegeben hatte, sei er noch für ein paar Stunden in seiner Kanzlei gewesen. Es sei einiges liegen geblieben, das es nun aufzuarbeiten gelte, erzählt er. Dann das erste Zwischenergebnis. Zum Erstaunen aller liegt Holger Goldschmidt vorn. Das seien die Wahlbezirke in Ostelbien, vermuten die Christdemokraten. Erst als sieben Bezirke ausgezählt sind, bessert sich die Stimmung. Bert Knoblauch liegt vorn, wenn auch knapp.

Er vereint 34,4 Prozent der Stimmen auf sich, der Kontrahent 31,6 Prozent. Im Laufe der nächsten halben Stunde verschieben sich die Balken weiterhin zu Gunsten des CDU-Kandidaten. Um 18:59 Uhr sind 23 Wahlbezirke ausgezählt. 40,3 Prozent für Knoblauch, 20,1 Prozent für Goldschmidt. Auch wenn die Briefwahl noch auszuzählen ist: Dass der 40-Jährige der klare Sieger des Abends ist, steht jetzt schon fest. Nun wirkt er richtig entspannt.

Angeschlagen: Die Stimmung bei den Sozialdemokraten war im Keller.

Angeschlagen: Die Stimmung bei den Sozialdemokraten war im Keller.

Auch seine Frau Sabine und die drei Söhne Johannes (17 Jahre), Gregor (13) und Tilman (10) freuen sich, sind stolz auf den Papa. Auch wenn der in den zurückliegenden Wochen kaum Zeit für sie hatte. Das ist nun vergessen. „Wir stehen voll hinter Papa“, erzählt Johannes. Bert Knoblauch selbst ist natürlich mehr als froh, dass seine Familie so viel Verständnis aufbringt. Er freut sich auf ruhige Feiertage, sagt er an dem Abend. Die Stichwahl verliert er dabei natürlich nicht aus den Augen.

Ortswechsel. Wenige Kilometer entfernt im Bürgerladen der SPD bedrückte Mienen. Geheimfavorit Frank Schiwek ist geschlagen. Der Sozialdemokrat, der bei der nicht repräsentativen Umfrage auf unserem Portal www.salzperle.de klar die Nase vorn hatte, erreicht nicht einmal die Stichwahl. Zwar ist die Briefwahl immer noch nicht ausgezählt, doch die Hoffnung ist gering. „Ich bin in zweierlei Hinsicht enttäuscht“, sagt der 42-Jährige. Dass so wenige Schönebecker die Chance genutzt haben, einen Neuanfang zu wagen, sei erschreckend. Seine persönliche Niederlage schmerze auch. „Es tut mir leid für mein Team, das mich so super unterstützt hat.“ Bis 20:50 Uhr muss er sich noch gedulden.

Dann steht die für die Sozialdemokraten bittere Entscheidung fest. Mit 18,2 Prozent reicht es nur für Platz drei. Das sind zwar nur 1,8 Prozent weniger als Holger Goldschmidt. Aber es sind eben weniger. Dass er Heinz-Werner Herrler von den Linken hinter sich lassen konnte, ist dann auch nur ein schwacher Trost. Aufgeben will Schiwek dennoch nicht. Im Stadtrat will er weiter konstruktiv arbeiten. Der Morgen danach. Wir erreichen Holger Goldschmidt. Hinter dem 53-Jährigen liegt ein langer Abend im Kreise seiner Unterstützer. „Ich bin begeistert“, sagt der Verwaltungsfachmann, immer noch überwältigt, so viel Anklang gefunden und damit die Stichwahl erreicht zu haben.

Anstrengender Wahlabend für Frank Schiwek: Trotz der Niederlage rang sich der SPD-Kandidat ein Lächeln ab.

Anstrengender Wahlabend für Frank Schiwek: Trotz der Niederlage rang sich der SPD-Kandidat ein Lächeln ab.

Sich im Kreise der Etablierten behauptet zu haben, macht ihn stolz. Und scheint ihn in seiner Entscheidung, nicht für seine Partei, sondern als Einzelbewerber kandidiert zu haben, zu bestärken. Ob er unter dem Parteimantel weniger Stimmen bekommen hätte, darüber mag er nicht spekulieren. Er sei liberal aufgewachsen, sei aber kein Parteistratege. Sachthemen seien wichtig, darauf wolle er sich auch bei der Stichwahl konzentrieren. Und auch darauf, Nichtwähler zu mobilisieren. Er sei „ziemlich erschüttert“ über die geringe Wahlbeteiligung. „An den Kandidaten kann es nicht gelegen haben. Es gab genügend Alternativen“, ist er überzeugt. Gemeinsam mit seinem Team werde er nun den Wahlkampf Revue passieren lassen und überlegen, wie neue Wählerkreise erschlossen werden können. Am 12. Januar ist es dann soweit. Bei der Stichwahl entscheidet sich definitiv, wer neues Stadtoberhaupt wird.

6 Responses to Ein klarer Sieger und ein überraschender Zweiter

  1. Antje Wrege sagt:

    Hallo Herr Schiweck, auch ich wäre gern einmal bereit über unsere Stolperstellen zu reden.Auch ohne Bürgermeisterposten gibt es bestimmt noch genug Möglichkeiten für unsere Stadt und ihre Bürger zu tun.
    Ein gesundes Neues Jahr wünscht A. Wrege

  2. Antje Wrege sagt:

    Wer jemanden als Integrant betitelt, sollte auch seinen Namen nennen. Sind Sie schon einmal mit einem Rollstuhlfahrer oder einem alten Menschen mit Rollator durch Schönebeck gelaufen. Probieren Sie es mal aus, Sie werden sich dann fragen was hat Herr Schieweck die ganze Zeit im Behindertenverband geleistet. Nur in der Zeitung präsent sein reicht nicht um Bürgermeister zu werden. Die Stolperfallen an allen Ecken und Enden der Stadt (Markt SBK, Markt Salze usw.) müssen verschwinden. Schönebeck wird älter.

  3. Helmuth Hoffmann sagt:

    Hurra.Hurra!
    Kein Intregant auf dem OBSessel!!!Arme SPD ich kann lachen
    euch tut´s weh. Helmuth Hoffmann

    • Ronny M. sagt:

      Sie sollten sich gehörig schämen, wirklich! Entschuldigung, aber gehässig zu sein ist absolut niveaulos, sowas macht man einfach nicht.

      • Helmuth Hoffmann sagt:

        Hallo Ronni!
        Ich binn nicht gehässig.Ich habe einfach meine
        ehrliche Freude zum Ausdruck geracht.Ihnen ein
        gesegnetes neues Jahr,ehrlich.Helmuth Hoffmann

    • Nun brauche ich mit Antworten ja zum Glück nicht mehr hinter dem Berg halten, um nicht wie ein verbissener Wahlkämpfer dazustehen. Ich habe und hatte nichts zu verbergen.
      Nachtreten ist eigentlich auch nicht mein Niveau. Aber bei Gelegenheit könnten wir gern mal die ganze Geschichte(n) aufrollen und gemeinsam überlegen, wie es zu Ihren Hasstiraden hier und auf anderen Seiten kommen konnte oder kam.
      Dass einzig und allein selbstverschuldeter “Machtverlust” auch nach 22 Jahren eine Diskussion so vergiften können macht mich nachdenklich und erzeugt ansonsten nur eines (aber das auch in Grenzen): Mitleid!

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