Einblicke in den Arbeitsdienst der ehemaligen „Lignose“

Peter Roth verarbeitet die Erfahrungen seiner Mutter Anneliese in einem Buch

Erst kürzlich besuchte der aus Groß-Gerau in Hessen stammende Autor Dr. Peter Roth mit seiner Gattin Elke die Elbestadt Schönebeck. Grund dafür sind Recherchen für sein Buchprojekt, das die „Geschichte einer in der Weimarer Republik geborenen Frau, die mit wachem Geist knapp 90 Jahre Deutschland erlebt“ hat, darstellt.

Autor Peter Roth und seine Ehefrau Elke Roth vor dem Schönebecker Rathaus: Beide zeigen sich beeindruckt von der Stadt.

Seit 2013 arbeitet Peter Roth intensiv an der mindestens vierbändigen, etwa 1.500 Seiten umfassenden Lebensgeschichte über seine damals im „Reichsdienst“ tätige Mutter Anneliese (1925-2016). Erste Zeitzeugengespräche führte er sogar schon im Jahre 2008.

Um einen Eindruck über die Umstände und den Aufenthalt seiner Mutter im ehemaligen Sprengstoffwerk „Lignose“ zu sammeln, besichtigte der Autor gemeinsam mit seiner Gattin persönlich den Ort des Geschehens. Die Stadt Schönebeck zeigte sich während der Besuche im städtischen Presseamt und im Stadtarchiv sowie bei einem Rundgang über das Werkgelände entgegenkommend, sehr zum Dank des Ehepaares, das hier ein offenes Ohr für sein Anliegen gefunden hat.

„Dunkle, schlechte Vorzeichen. Der Weg ins Chaos. April 1943-August 1944“ heißt der, voraussichtlich im kommenden Jahr erscheinende, zweite Band und erzählt von Annelieses damaligem Arbeitsdienst in der Schönebecker „Lignose“ von 1943 bis 1944. Mit nur 18 Jahren war sie die jüngste der etwa 700 sogenannten „Kriegsdienstmaiden“ und arbeitete in der Zündhütchenproduktion, zeitweise gemeinsam mit deportierten Russinnen und Polinnen. Nur mit Glück wurde sie vor der Arbeit mit dem gefährlichen Sprengstoff TNT bewahrt, das für den Kriegseinsatz hergestellt und in Granaten, Minen und Torpedos gefüllt wurde.

Anneliese Roth war „ein Nichts in einer Welt der Strukturen, Nummern, Befehle, des Gehorsams und der Angst“, beschreibt der Autor Dr. Peter Roth. Wie es dazu kam, werden Sie bald in seinem Buch lesen können. Nach dem Krieg entstand aus der Lignose das VEB Sprengstoffwerk und später die SK Jagd- und Sportmunition.