Einzelhandels- und Zentrenkonzept sorgt für Hoffnung Innenstadt als Marke zu etablieren

Zwischen Chancen und Illusionen …

Gegensätze ziehen sich bekanntlich an. Gegenpole dann vermutlich auch. Zumindest ist das die Hoffnung der Schönebecker Stadtväter. Sie wollen die Innenstadt, die als solche nicht immer von jedem sofort erkennbar ist, attraktiver machen. Und ausdehnen. Von der Elbpromenade über den Markt bis zur Brachfläche des einstigen Gummiwerkes an der Friedrichstraße. Dazu sollen nicht nur infrastrukturelle Rahmenbedingungen geschaffen werden. Die Stadt hat ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept erstellen lassen, das Ende März öffentlich vorgestellt wurde und im Juni vom Stadtrat abgesegnet werden soll.

Innenstadt SchönebeckBegleitet wird das Projekt von der  IHK Magdeburg. Es sieht unter anderem vor, die Schönebecker Innenstadt als Marke zu etablieren. Eine Chance oder eher eine Illusion?

Alleinstellungsmerkmale herauszukristallisieren, ist sicher schwierig. Wo liegen die Standortvorteile? Welche Nachteile gibt es? Was wünschen sich Händler und Einwohner? Ein Leipziger Expertenteam hat Befragungen vorgenommen, Untersuchungen angestellt, den Wettbewerb analysiert und die Ergebnisse mit etwa gleichgroßen Städten verglichen. Dr. Eddy Donat, Büroleiter der CIMA GmbH, stellte die Ergebnisse und auch das daraus resultierende Konzept vor kurzem vor.

Die Nähe zur Landeshauptstadt hat sicher Vorteile. Doch für Schönebeck überwiegen die Nachteile. Viele Schönebecker fahren zum Shoppen nach Magdeburg. Das eigene Zentrum ist schlichtweg nicht anziehend genug. Ein Kaufkraftverlust, den die Einzelhändler zu spüren bekommen.

Es gibt zwar einige Geschäfte mit tollen Angeboten. Doch mehrere Läden stehen leer. Zudem fehlt es an innenstadtrelevanten Sortimenten wie hochwertiger Bekleidung, Elektrowaren oder Schmuck. Auch ein Kaufhaus und bessere Parkmöglichkeiten wünschen sich die Menschen hier. Mit rund 65.000 Quadratmetern hat Schönebeck relativ wenig Verkaufsfläche.  Angebote im langfristigen Bedarf wie Autos oder Möbel gebe es reichlich. Doch diese befinden sich nicht zwischen Friedrichstraße und Marktplatz, sondern auf der so genannten „grünen Wiese“. Die Nahversorgung mit kurzfristigem Bedarf wie Lebensmitteln sei lückenlos, hat Donat festgestellt.

Innenstadt SchönebeckDoch für die Einwohner, die rund um den Markt leben, sind die Wege zum Supermarkt vergleichsweise weit und fußläufig nicht mal eben schnell zu erreichen. 60 Geschäfte gibt es  Donat zufolge in der Innenstadt. Diese nehmen lediglich 10 Prozent der gesamten Verkaufsfläche ein. „Zu wenig“, konstatiert der Experte. Er und sein Team haben Leitlinien zur zukünftigen Innenstadtentwicklung erarbeitet.

Die Attraktivitätssteigerung ist eine der wichtigsten. Das Angebot müsse verdichtet, derLeerstand verringert, die Identifikation der Einwohner mit ihrem Zentrum gestärkt werden. Die Innenstadt solle zur Marke werden. Doch ist das in Zeiten des demografischen Wandels mit immer mehr alten und immer weniger jungen Menschen realisierbar? Potenziale sind sicherlich vorhanden. Die Lage an der Elbe ist ein Standortvorteil. Die Stadt arbeitet zudem an den infrastrukturellen Rahmenbedingungen. Die Neugestaltung des Marktplatzes genießt dabei höchste Priorität. 2014 soll mit den Arbeiten begonnen werden.

Den Worten von Baudezernent Guido Schmidt zufolge gehören auch die Ortsumgehung B 246 a, die Salineinsel, die Aufwertung der Bahnhofstraße über das Schnittstellenprogramm, das einstige Gummiwerksgelände, das Rathausquartier, der Breiteweg und die Geschwister-Scholl-Straße zu den Schwerpunkten der Stadtentwicklung. Während einige Maßnahmen schon angelaufen sind, werden bei anderen noch ein paar Jahre ins Land gehen. Bis dahin sind Politik, Verwaltung, Einzelhändler und Einwohner gleichermaßen gefragt, sich einzubringen. Dass der Händlerstammtisch wieder  belebt werden soll, ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Einzelhandels- und Zentrenkonzept