„Es lohnt sich immer, aufzuhören“

Interview mit Dr. med. Volkmar Rahms und Jana Schulze anlässlich des Weltnichtrauchertages

Er ist Facharzt für Innere Medizin, Angiologie und Lymphologie. Dr. Volkmar Rahms setzt sich für die Rauchentwöhnung ein. Der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am AMEOS Klinikum hat ein entsprechendes Seminar belegt und bietet im Diabetesund Gefäßzentrum Entwöhnungskurse an. Anlässlich des bevorstehenden Weltnichtrauchertages am 31. Mai hat die Salzperle mit ihm über Lust und Frust der Glimmstängel-Sucht gesprochen.

Dr. med. Volkmar Rahms und Jana Schulze mit Materialien zur Rauchentwöhnung. Beide setzen sich für ein Leben ohne Tabakkonsum ein.

Dr. med. Volkmar Rahms und Jana Schulze mit Materialien zur Rauchentwöhnung. Beide setzen sich für ein Leben ohne Tabakkonsum ein.

Salzperle: Haben Sie selbst schon einmal geraucht, Herr Dr. Rahms?

Dr. Volkmar Rahms: Ja, aber nur aus Genuss. Ich bin eigentlich Nichtraucher.

Salzperle: Ungefähr ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland raucht, das sind etwa 20 Millionen Menschen. Wird die Gefahr unterschätzt?

Dr. Rahms: Auf jeden Fall. Es gibt ja Beispiele von Rauchern, die uralt geworden sind oder von Nichtrauchern, die an Lungenkrebs gestorben sind. So wird von eigenen Problemen abgelenkt. Die Zigarettenkonzerne würden ja nicht die Warnungen veröffentlichen, wenn es nicht Tatsache wäre.

Salzperle: Warum gibt es dennoch so viele Raucher? Mangelt es an der Prävention und Aufklärung oder an der Entwöhnung?

Dr. Rahms: Das nicht. Wir klären ja schon auf. Wenn wir Patienten, die zu uns in die Praxis kommen, erklären, dass sie die Schaufensterkrankheit haben, kriegen sie einen Schreck und hören sofort auf. Das hilft aber längst nicht bei allen. Das Rauchen hat ja auch positive Effekte, etwa die Geselligkeit. Es gibt Firmen, die es gar nicht schlecht finden, weil sich die Mitarbeiter in den Raucherpausen austauschen.

Salzperle: Sie bieten im Diabetes- und Gefäßzentrum Rauchentwöhnungskurse an. Wie funktionieren diese?

Dr. Rahms: Wenn Patienten eine Gefäßerkrankung wie Durchblutungsstörungen in den Beinen haben, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten haben, dann ist das Rauchen neben Diabetes die häufigste Ursache. Wir fragen unsere Patienten und bieten ihnen dann den Kurs an. Die Krankenkassen tragen 80 Prozent der Kosten, so dass maximal 15 bis 20 Euro selbst
getragen werden müssen. Meine Mitarbeiterin Jana Schulze leitet die Kurse. Sie kann mehr dazu sagen.

Salzperle: Frau Schulze, werden die Kurse angenommen?

Jana Schulze (Diabetes- und Diätassistentin): Zunächst muss der Wille da sein. Und der fehlt oftmals. Die Erfolgsquote bei denen, die teilgenommen haben, ist ganz gut. Beim letzten Kurs haben es zwei von fünf Teilnehmern geschafft, dauerhaft rauchfrei zu bleiben. Die anderen rauchen zumindest deutlich weniger.

Salzperle: Wie arbeiten Sie mit den Teilnehmern?

Schulze: Wir versuchen, ohne Hilfsmittel zurechtzukommen.In  manchen Fällen setzen wir medikamentöse Begleiter ein. Diese werden im Moment aber noch nicht von den Kassen gezahlt. Das Kursprogramm umfasst sechs Stunden, die Treffen finden im Zwei-Wochen-Rhythmus statt. Wir sprechen dann beispielsweise auch über Sport und gesunde Ernährung. Viele haben ja immer Angst, dass sie zunehmen, wenn sie mit dem Rauchen aufhören.

Salzperle: Und, stimmt das?

Schulze: Wenn sie sich mit jeder Menge Süßigkeiten ablenken, sicherlich. Aber das muss nicht sein. In unserem Kurs erfahren sie, wie gesunde Ernährung funktioniert. Das wissen viele gar nicht.

Salzperle: Herr Dr. Rahms, gibt es statistische Erhebungen von Krankheiten und Todesfällen in Ihrer Praxis oder im AMEOSKlinikum, die auf das Rauchen zurückzuführen sind?

Dr. Rahms: Darüber führen wir keine Statistik. Aber deutschlandweit wurden 2012 rund 82,4 Milliarden Zigaretten geraucht. Und mehr als 100.000 Todesfälle sind allein 2012 in Deutschland auf das Rauchen zurückzuführen.

Salzperle: Das sind alarmierende Zahlen. Doch kaum einen Raucher scheinen Statistiken zu beeindrucken. Was also tun?

Dr. Rahms: Immer weiter aufklären. Es lohnt sich immer, mit dem Rauchen aufzuhören. Schon nach kurzer Zeit sind übrigens Verbesserungen mess- und spürbar, etwa eine erhöhte Sauerstoffsättigung. Auch, wenn man jahrzehntelang abhängig war.

Salzperle: Ist die Tabaksteuererhöhung ein probates Mittel der Prävention? Wie könnte sich die Politik noch mehr bei der Entwöhnung einbringen?

Dr. Rahms: Eine Steuererhöhung sorgt kurzfristig immer dafür, dass weniger Zigaretten konsumiert werden. Aber  unterm Strich pegeln sich die Zahlen wieder ein. Dann werden die Zigaretten eben selbst gedreht, weil das billiger ist. Gefühlt scheinen Steuererhöhungen und andere Reglementierungen zum Nichtraucherschutz zu funktionieren. Aber die Statistiken sagen leider etwas anderes.

Salzperle: Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg bei der Prävention!

Wer seinem Laster ein Ende setzen möchte, kann sich für einen Nichtraucherkurs anmelden: Jana Schulze, Telefon 03928 7695123.

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