Land unter in Schönebeck

Hochwasser 2013: Tage zwischen Hoffen und Bangen

Als am 3. Juni das Pretziener Wehr gezogen wurde und die Wasserwehr die mobile Hochwasserwand am Elbtor aufbaute, ahnte wohl niemand, wie hoch der Pegel steigen würde. Nur ein paar Tage später mussten hunderte Schönebecker und Einwohner der Ortsteile in Ostelbien ihre Häuser und Wohnungen verlassen. landunter

Katastrophenalarm. Am 9. Juni war der historische Pegel-Höchststand erreicht: 7,62 Meter. 60 Zentimeter mehr als bei der Jahrhundertflut 2002. Tage zwischen Hoffen und Bangen liegen hinter der Stadt und ihren Einwohnern. Aber auch Tage unglaublicher Hilfsbereitschaft.

„Wir hoffen, dass uns die Schutzwände helfen.“ Es ist Montag, der 3. Juni. Herbert Kuhne schaut zu, wie die Kameraden der Schönebecker Wasserwacht routiniert die mobile Schutzwand am Elbtor aufbauen. Dass das Wasser höher steigen würde als 2002, ahnt der Anwohner noch nicht. Nach der ersten Jahrhundertflut hat er den Elektroverteiler vom Keller in den Hausflur verlegt. Eine richtige Entscheidung. Denn nur sechs Tage später steht nicht nur der ganze Elbtorbereich unter Wasser. Die Elbe bahnt sich ihren Weg Richtung Innenstadt.

Eine Schutzwand an der Müllerstraße hat dem Druck nicht standhalten können. Fast bis zum Marktplatz ist es am Sonntag, 9. Juni, nass. Dass die ganze Innenstadt überflutet werden könnte, damit rechnet niemand. Doch manch ein Geschäftsbetreiber trifft Vorkehrungen. Ilona Roschild, die einen Modeladen am Salztor betreibt, räumt am 6. Juni ihre Kollektionen aus dem Geschäft. „Aus Sicherheitsgründen“, erzählt sie. Angst habe sie nicht. Ruhe bewahren sei in solchen Zeiten wichtig. Sie schließt die Tür hinter sich.

Der Laden bleibt geschlossen. Die Umsatzverluste muss sie erst einmal verkraften. Wie andere Ladenbesitzer, die ebenfalls schließen, auch. „Hier ist jeder auf sich gestellt“, bedauert Ilona Roschild, dass von Seiten der Stadt keine Unterstützung signalisiert wird. Sie und sicher alle anderen Einzelhändler hoffen, dass es nach der Flut wieder aufwärts geht. Gleicher Tag, anderer Ort. Während die Innenstadt nahezu leergefegt ist, herrscht am Busbahnhof emsiges Treiben. Hunderte Freiwillige helfen beim Befüllen tausender Sandsäcke. Auch die beiden Achtklässlerinnen Jacqueline und Eileen haben sich in die Kette eingereiht. „Wir wissen, dass wir so anderen Menschen helfen können.“ Wer nicht zu Schippe und Sack greift, hilft anders. Das Team von Suppe & Seele koordiniert die Versorgung der Helfer. Der Zusammenhalt, die Welle der Hilfsbereitschaft, ist in diesen Tagen einzigartig.

Doch es mischt sich auch Unmut unter die Bevölkerung. Die nervliche Belastung und die Anspannung, gerade bei Betroffenen und denjenigen, die ihre private oder berufliche Existenz davon schwimmen sehen, ist groß. Die Helfer, sowohl aus den Reihen der Bevölkerung, als auch von Bundeswehr und nationalen Hilfsorganisationen, geben alles. Doch sie können das Wasser nicht an allen Stellen aufhalten. Der Solgraben tritt über seine Ufer, so dass auch Menschen fernab der Elbe plötzlich vom Hochwasser bedroht sind. Und dann sind da noch die Katastrophentouristen. Sie stehen im Weg rum, gaffen, fotografieren. Über soziale Netzwerke machen Einwohner ihrem Unmut Luft. Über den Oberbürgermeister, der sich im Urlaub befindet, über eben diese Gaffer und über etwaige Fehlentscheidungen des Krisenstabs. Über soziale Netzwerke verabreden sich die Helfer aber auch.

Über die Facebook-Seite „Schönebeck (Elbe)“, die nicht die offizielle Stadtseite ist, werden Neuigkeiten verbreitet, wird Hilfe organisiert und koordiniert. Hier werden Bilder gepostet, hier wird Danke gesagt. Ähnlich sieht es auf unserer Salzperle-Facebook-Seite aus. Auch hier wird gepostet und diskutiert. Auch wenn sich das Wasser inzwischen immer weiter zurückzieht: Die Tage zwischen Hoffen und Bangen werden in Erinnerung bleiben. Es ist nun an den Stadtvätern, sich über noch besseren Hochwasserschutz Gedanken zu machen. Auch wenn jeder hofft, dass die nächste große Flut noch ewig auf sich warten lässt: Sie kann jederzeit wieder kommen.

SPENDENKONTO

Die Stadt Schönebeck (Elbe) hat inzwischen ein Spendenkonto zugunsten der Hochwasseropfer eingerichtet.

Kontonummer 201013380
BLZ 80055500
Salzlandsparkasse.

Die Stadt ist für jede kleine Spende zugunsten der vom Hochwasser Betroffenen dankbar.