Wo vielfältige Natur auf bewegte Vergangenheit trifft

Plötzky – Von Steinbrüchen, Seen und engagierten Einwohnern

„Wenn ich Besuchern unsere Gegend zeige, sind sie immer begeistert.“ Wilfried Kiske weiß, wovon er spricht.

 

Der 74-Jährige lebt seit über einem halben Jahrhundert in Plötzky und hat in den zurückliegenden Jahren hunderte Touristen durch den Ort und die Region geführt. Er liebt die nahezu unberührte Natur, taucht auch immer wieder gern ein in die Vergangenheit des Rolandortes.

Was er alles herausgefunden hat über den 1100-Seelen-Ort, der 1228 erstmals urkundlich erwähnt wurde, können Besucher der Heimatstube wiederfinden, wenn sie durch die fünf Räume gehen.

Geschichte erlebbar machen: Mit diesem Ziel sind er und die Mitglieder des Heimatvereins Plötzky Ostelbien im Jahre 2002 angetreten. Das ist mit den inzwischen fünf sehr gut ausgestatteten Räumen zweifelsfrei gelungen. Besucher können anschaulich nachvollziehen, wie die Vorfahren gelebt, gelernt und gearbeitet haben. Unzählige Exponate lassen bei Älteren Erinnerungen an die eigene Kindheit wach werden. Und Kinder nehmen gern einmal auf einer nachgebauten Schulbank Platz, wie sie anno dazumal existiert hat.

Bücher aus dem 18., Werkzeuge und Geräte aus dem 19. Und Rundfunkgeräte aus dem 20. Jahrhundert: Hier gehen die  Besucher auf eine spannende Zeitreise. Von vielen Einwohnern Plötzkys und der Umgebung wurden die Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt, was Wilfried Kiske freut. Er arbeitet eng mit der Grundschule und der Kindertagesstätte im Ort zusammen, die in dem kleinen Museum Heimatkunde hautnah erleben. Die jungen Besucher bekommen zudem einen Eindruck davon, welche Bedeutung ihr Heimatort im Mittelalter hatte. Unmittelbar an den bedeutsamen Handelswegen Elbe und Salzstraße gelegen, war Plötzky wichtiger Umschlagsort, erhielt Marktrecht, wurde sogar als Stadt in der anhaltinischen Burggrafschaft Magdeburg bezeichnet und bekam die Ausübung der Gerichtsbarkeit verliehen.

Der Quarzitstein, der seit dem 12. Jahrhundert in den Steinbrüchen abgebaut wurde, findet sich in vielen Gebäuden und Straßen wieder – etwa im Havelberger Dom oder in Kirchen entlang der Elbe bis nach Hamburg, wo Straßen damit gepflastert wurden. Inzwischen sind die Steinbrüche mit Wasser zugelaufen. Die Seen sind Anziehungspunkt vieler Urlauber.

Das um 1210 gegründete Zisterzienser-Nonnenkloster war Ausgangspunkt dieser erfolgreichen Entwicklung. Heute zeugen nur noch Reste der Klostermauer, ein gut erhaltener Backofen und zwei teilweise umgebaute Gebäude von der reichen Vergangenheit. Mit der Verweltlichung des Klosters 1535 verlor Plötzky seine Privilegien an das Amt Gommern.

Dass der Ort einst von großer Bedeutung für den Handel war, macht der Roland deutlich, der seit Oktober 2005 im Ortszentrum steht. Wilfried Kiske ist es zu verdanken, dass der Koloss aus Sandstein auf die Vergangenheit aufmerksam macht. Nach jahrelangen Recherchen hat der 74-Jährige die Figur geplant.

Bereits Ende des 14. Jahrhunderts gab es einen Roland, seinerzeit unweit des Klosters. Einen Abstecher zur Figur zu machen, lohnt sich bei jedem Besuch in Plötzky. Schräg gegenüber befindet sich die Heimatstube. Deren Türen sind zwischen Mai und September jeweils sonntags von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Wer außerhalb dieser Zeiten einen Blick in die Geschichte werfen möchte, meldet sich bei Wilfried Kiske unter Tel. 039200 51150.

Den Ort bekannter machen, enger vernetzen mit der Stadt Schönebeck, mehr Touristen anziehen: Das wünscht sich der engagierte Hobby-Historiker für die nahe Zukunft. Da gebe es noch Nachholbedarf. Plötzky selbst kann auf eine gut ausgebaute Infrastruktur verweisen. Seit 1938 gibt es den Kindergarten, der in den zurückliegenden Jahren sukzessive saniert wurde. 40 Kinder aus dem Ort und der näheren Umgebung werden dort betreut. In der wenige hundert Meter entfernten Grundschule lernen 91 Kinder aus den Schönebecker Ortsteilen. Das Gebäude wurde in den 1970-er  Jahren als POS errichtet. Seit der Wende lernen dort Grundschüler. Ziel von Schulleiter Ralf Baenke und seinem Team ist es, den Kindern eine bestmögliche Bildung zu vermitteln. Dabei werden verschiedene Schwerpunkte gesetzt. Unter anderem wird der Fokus auf Sprachen gelegt. So wird schon ab der 1. Klasse Englisch unterrichtet.

Der Tourismus wird in Plötzky großgeschrieben. Die Seen ringsum, der Wald, die Elbauen…

Wer Ruhe sucht, kommt immer wieder gern. Campingplätze, Pensionen und der Ferienpark bieten ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten. Für das leibliche Wohl ist in etlichen Lokalitäten gesorgt. Mehrere Vereine sorgen für ein abwechslungsreiches Kulturleben.

Weitere Infos gibt es im Netz: www.ploetzky.de.