Sollen immer mehr Menschen verhungern?

Heiße Eisen bei ihrem Dreikönigstreffen anzupacken, hat bei der Schönebecker FDP Tradition. Auf der Tagesordnung des diesjährigen Treffens der Liberalen stand die in Deutschland höchst umstrittene Grüne Gentechnik. Dass die Veranstaltung, die in diesem Jahr von Stadtrat Reinhard Banse eröffnet wurde, sich nicht zuletzt zu einer Unterrichtsstunde in Fragen der Biologie entwickelte, war in hohem Maße den kompetenten Podiumsteilnehmern zu verdanken.

Unter Leitung des früheren Landeswirtschaftsministers Dr. Horst Rehberger diskutierten Prof. Dr. Joachim Schiemann vom Julius-Kühn-Institut Quedlinburg, der BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf sowie der Vorsitzende des vor allem auch von innovativen Landwirten aus der ganzen Bundesrepublik getragenen InnoPlanta-Vereins Gatersleben, Karl-Friedrich Kaufmann, über diese Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts.

Nachdem Rehberger eingangs einen Überblick über den heutigen weltweiten Stand der Grünen Gentechnik gegeben und vor allem hervorgehoben hatte, dass die zunächst in Deutschland entwickelte Grüne Gentechnik eine Optimierung von bisherigen Züchtungsverfahren darstelle und in immer mehr Ländern der Erde von inzwischen 17 Millionen Landwirten gentechnisch verbesserte Nutzpflanzen angebaut werden, vertrat BUND-Geschäftsführer Wendenkampf die Auffassung, dass das in Deutschland bestehende Anbauverbot dem Vorsorgeprinzip entspreche, weil Risiken mit dieser Technologie verbunden sein könnten.

Dem widersprach entschieden Professor Schiemann. Die vor drei Jahrzehnten durchaus nachvollziehbaren Bedenken seien inzwischen durch zahllose Untersuchungen eindeutig widerlegt. Gentechnisch gewonnene Pflanzen seien nicht risikoreicher als konventionell gezüchtete Arten. Karl-Friedrich Kaufmann verwies darauf, dass die bis zur Mitte dieses Jahrhunderts noch stark wachsende Menschheit nur ernährt werden könne, wenn man alle technologischen Verfahren zur Erhöhung der Erträge nutze. Denn eine Vergrößerung der landwirtschaftlichen Fläche sei weltweit so gut wie ausgeschlossen.

Der Auffassung, dass es kaum noch sinnvolle Möglichkeiten gebe, die landwirtschaftliche Nutzfläche zu vergrößern, stimmten auch die anderen Podiumsteilnehmer zu. Umso irritierter reagierten dann aber die anderen Teilnehmer des Podiums und Besucher, als Wendenkampf erklärte, dass er eine Ertragssteigerung pro Hektar ablehne. Der Feststellung Rehbergers, dass dies auf den Hungertod zahlloser Menschen hinauslaufe, widersprach Wendenkampf nicht. Strittig wurde auch die Frage diskutiert, welche ökonomischen Folgen sich aus der Blockade der Grünen Gentechnik in Deutschland und einigen anderen Ländern Europas für den Wettbewerb von Saatgutunternehmen ergeben.

Während Wendenkampf diese Blockade aus grundsätzlichen Erwägungen befürwortete, wiesen andere Diskussionsteilnehmer darauf hin, dass die Blockade in Deutschland nicht weltweit tätige Saatgutkonzerne schädige, sondern deren europäische Konkurrenz aus Wissenschaft und mittelständischen Saatgutunternehmen. Zu der trotz heftiger Gegensätze in der Sache versöhnlichen Atmosphäre der Veranstaltung trugen nicht zuletzt die Sternsinger bei, die wie in jedem Jahr Spenden für arme und hungernde Kinder in der dritten Welt sammelten.