Start in die Zweiradsaison

Weltrad-Inhaber René Leue gibt Tipps und erklärt Trends rund ums Fahrrad

Die Reifen sind platt, die Kette rostig, die Bremsen quietschen … Viele Fahrräder stehen noch winterstarr im Keller. Dabei wird es jetzt höchste Zeit für den Frühjahrsputz. Die Zweiradsaison beginnt. Die Salzperle hat mit einem Experten über Trends, Check und den neuen Gesundheitssport Radwandern gesprochen. René Leue, Inhaber der Weltrad Manufactur, gibt wertvolle Tipps für eine gelungene Rad-Zeit.

Endlich wieder in die Pedale treten: René Leue und Göran Scherf (r.) lassen ihre Räder aber auch im Winter nicht im Keller stehen.

Endlich wieder in die Pedale treten: René Leue und Göran Scherf (r.) lassen ihre Räder aber auch im Winter nicht im Keller stehen.

„Solch einen schönen Elbblick gibt es selten.“ René Leue sitzt entspannt in seinem Restaurant und blickt hinaus in die verschneite Landschaft. Auch wenn er schon unzählige Male hier gesessen hat, so ist die Aussicht jedes Mal aufs Neue grandios. Und das trotz wolkenverhangener Tristesse und Schneematsch Mitte März.

Jetzt, im April, wenn die Zweiradsaison beginnt, dürfte der Panoramablick ungleich schöner sein. Der Frühling erwacht. Nun stoppen hier wieder viele Radwanderer. Einige, um sich eine Schlemmerpause auf der Terrasse zu gönnen, wieder andere, um im Weltrad Quartier zu übernachten – mit Blick zur Elbe. Ja, hier lässt es sich aushalten. Nicht umsonst hat die Fahrradmanufaktur 2012 als erstes Schönebecker Unternehmen den „Vorreiter“, den Tourismuspreis des Landes Sachsen-Anhalt, gewonnen. Sie überzeugte die Jury mit „einer gelungenen Vernetzung von Beherbergung, Fahrradproduktion und kulinarischen Angeboten.“ In diesem Jahr gehen Leue und sein Team noch einen Schritt weiter. „Wir wollen einen Übernacht-Reparaturservice anbieten“, sagt er.

Der Panorama-Blick ist einmalig. Sogar im verschneiten Winter. Auch im Weltrad-Restaurant dreht sich vieles ums Fahrrad.

Der Panorama-Blick ist einmalig. Sogar im verschneiten Winter. Auch im Weltrad-Restaurant dreht sich vieles ums Fahrrad.

Und auch sonntags werde die Werkstatt für die Radwanderer geöffnet. In der Hochsaison gebe es täglich ein bis zwei Fälle von kaputten Rädern. Das sei manchmal nur ein platter Reifen, manchmal aber auch eine nicht richtig funktionierende Gangschaltung. Wer abends ankommt und am nächsten Morgen wieder früh aufbrechen möchte, braucht ein funktionstüchtiges Rad. Da ist dieser Service perfekt. Service ist auch das Stichwort für die beginnende Zweiradsaison. Wer sein Fahrrad über den Winter eingemottet hat, muss nun zum Lappen greifen. „Putzen ist ganz wichtig“, weiß der Experte. Er rät aber auch dringend dazu, Luft aufzupumpen. Während der Winterpause dürfte dem Schlauch Luft entwichen sein. Die Daumenprobe zeigt, ob Frischluft angesagt ist. Lässt sich der Reifen mehr als einen Zentimeter eindrücken, heißt es pumpen. Möglichst mit einer Fahrradpumpe mit Druckmesser. Wie hoch der Luftdruck sein sollte, lässt sich auf einem Aufdruck auf den Reifenflanken ablesen. Die Kette braucht besondere Fürsorge. Sie sollte von Schmutz befreit und anschließend gefettet werden. Leues Tipp: Kettenfett statt Öl. Damit die erste Tour wie geschmiert läuft, sollten auch alle anderen beweglichen Teile gefettet werden.

Paul Peuckert wird zum Zweiradmechaniker, Fachrichtung Fahrrad, ausgebildet.

Paul Peuckert wird zum Zweiradmechaniker, Fachrichtung Fahrrad, ausgebildet.

Wer dann noch die Beleuchtung und die Gangschaltung auf Funktionstüchtigkeit kontrolliert hat, kann endlich in die Pedale treten. Entlang der Elbe lässt es sich besonders schön radeln. Hier ist die Natur an etlichen Stellen noch nahezu unberührt. Hier gibt es rechts und links der Strecke viel zu entdecken. Nicht nur deshalb ist der Elberadweg, an dem auch Schönebeck liegt, die beliebteste Route Deutschlands. „Der Parcours ist nicht so anspruchsvoll“, weiß Leue. Er selbst bevorzugt zwar Touren mit Höhenunterschieden.

Doch das meist flache Land entlang der Elbe ist auch für ältere Menschen gut zu bewältigen. Und gerade bei der Generation 50 plus steige das Gesundheitsbewusstsein. Immer mehr Menschen entdecken das Radwandern für sich. Frische Luft, moderate Bewegung, die dem Herz und dem Kreislauf gut tut… Radeln hilft, fit zu bleiben. Und auch die Einheimischen steigen wieder öfter aufs Rad, weil sie etwas für ihre Gesundheit machen wollen. „Für uns Schönebecker gibt es ohnehin keine Winterpause“, sagt Leue. Hier werde das Rad selten eingemottet. „Es steht immer einsatzbereit im Keller.“ Ist dem nicht mehr so, wird es Zeit für ein neues.

Die Trends kennt Göran Scherf, der den Weltrad-Radladen führt. Das angesagte Bike von heute muss „ein Alleskönner sein, der trotzdem den sportlichen Geist in sich trägt“, sagt er und holt ein weißes Trekkingrad aus dem Regal. Kunden wünschen sich zuverlässige Leichtgewichte. Bei der Optik gilt: Weiß ist das neue Schwarz. Und: Farbige Bikes in Flieder, Hellblau oder Türkis erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Der Trend, der dem Elektrorad prophezeit wurde, sei indes nicht ganz so eingetreten. Noch nicht. Die Generation 50 plus frage aber verstärkt nach den tretkraftunterstützten Gefährten.

Für weitere Touren seien die E-Bikes ideal. Die zweite Gruppe, die sich für die immer intelligenter gesteuerten Räder interessiere, seien junge Leute, die zur Arbeit radeln, nicht aber verschwitzt ankommen wollen. „Das sind schon kleine technische Meisterwerke“, sagt René Leue. Wer sich ein top E-Bike zulegen möchte, sollte aber schon mit dem Preis eines Mofas kalkulieren. „Unser Lebensmittelpunkt sind die Fahrräder“, sagt Leue aus tiefstem Herzen. Darum sind er und sein Team immer auf der Suche nach Neuheiten auf dem Markt, bei denen Preis und Leistung stimmen. In der eigenen Manufactur stellen sie aber nach wie vor den begehrten Klassiker her: das Weltrad-Original. Das Retro-Rad erinnert an längst vergangene Zeiten. An die Anfänge der Radproduktion in Schönebeck, von der heute schon viele nichts mehr wissen.

Die Weltrad-Historie

1885Die Weltrad-Werke in Schönebeck wurden durch Carl Hoyer und Walter Glahn gegründet.
1890Die Fahrradfabrik von Hoyer & Glahn – Weltrad entstand. Sie entwickelte sich zu einem der namhaftesten Fahrradhersteller in ganz Deutschland. Bald gelang auch der internationale Erfolg durch eine geniale Rahmen-Erfindung.
1897Die Firma wurde in die Fahrradwerke-Weltrad-AG umgewandelt.
1900Nochmals gab es eine Namenänderung. Die Firma nannte sich ab nun Metallindustrie Schönebeck AG.
1910wurde erstmalig das autogene Schweißen von Rahmen eingeführt.
1914Die Produktion wurde auf Rüstung umgestellt, die Radherstellung lief aber weiter.
1936-1945Weltrad wurde wieder in die Rüstungsproduktion einbezogen.
Nach dem Kriegbrach die Fahrradproduktion ein, da die Zulieferer aus dem Westen nicht mehr zur Verfügung standen.
1948erfolgte die Zusammenlegung mit der 1945 nach Schönebeck verlagerten Breslauer Fahrzeug- und Motorenwerke GmbH (FAMO) als Werk der „IFAVereinigung volkseigene Fahrzeugwerke” Werk Schönebeck.
1952gab es eine erneute Umbenennung in VEB Traktorenwerk Schönebeck
1989bekannt als Landtechnik Schönebeck GmbH, Schlüter GmbH und bis 2003 als Doppstadt GmbH

Beginn zweier Leidenschaften

1996Beginn der aufwendigen Restaurierung originaler Welträder durch Göran Scherf, Inhaber „WELTRAD Fahrräder & Service”, in der Edelmannstraße 43 in Schönebeck
1996René Leue kaufte sein erstes restauriertes Fahrrad von Göran Scherf.
2003wurde das erste neue Weltrad Fahrrad entwickelt.
2004gründete René Leue die Weltrad Manufactur.
2011Weltrad zieht auf den Cokturhof. Das Restaurant am Elbufer wird eröffnet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.