Unterwegs durch die Altstadt

Manfred Pöschke zeigt schöne und traurige Ecken

„Eine Stadt entwickelt sich immer mit dem Einkommen der Bürger, die hier zu Hause sind.“ Manfred Pöschke  steht auf dem Markt und lässt seinen Blick schweifen. Er schaut auf drei leer stehende Häuser auf der Ecke zur Nicolaistraße.

Es sind nicht die einzigen Objekte im Stadtkern, die von Tristesse zeugen. Die Gebäude Markt 15 und 16 sind in Händen der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft, die schon gegenüber auf dem Areal des einstigen Kaufhauses ein neues Haus hat entstehen lassen. Auch die baufälligen Objekte sollen abgerissen werden und einem Neubau weichen.

Manfred Pöschke

Manfred Pöschke

Die Situation im Zentrum macht dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Altstadt“ zu schaffen. Ob das Einzelhandels- und Zentrenkonzept Früchte trägt, weiß er nicht. Natürlich hofft er es. „Wir müssen Menschen in die Stadt bekommen“, sagt der 70-Jährige. Das sei entscheidend. Seit fast 20 Jahren engagiert sich Pöschke im Stadtrat.

Dass die Altstadt in der Vergangenheit stiefmütterlich behandelt wurde, ist ihm bewusst. Doch es ist an der Zeit, etwas zu ändern. Etliche leer stehende Häuser sind der Abrissbirne zum Opfer gefallen, andere stehen seit Jahren verlassen da. „Hier ist unser größtes Stiefkind“, erzählt Pöschke beim Weiterschlendern entlang der Steinstraße. Zwei größere Brachen befinden sich hier, zudem ein sehr altes Haus, das dem Verfall preisgegeben scheint. „Brachen haben in der Altstadt nichts zu suchen“, findet nicht nur er. Die Straße verliere sich an der Kreuzung.

Investoren zu ermutigen, sich hier niederzulassen, das wünscht er sich. „Aber die Initialzündung fehlt.“ Der 70-Jährige biegt ab und geht weiter zum Salzblumenplatz. Direkt an der Elbe gelegen, ist hier schon viel passiert. An der Elbpromenade zu flanieren macht Spaß. Hier kann man sich eine Pause gönnen und zum anderen Flussufer blicken. Elbabwärts bis zum Cokturhof ist das Areal schon sehr gut erschlossen. Die Salineinsel wird

zum Bürgerpark. Die BI sei momentan auf der Suche nach einem Eventträger, damit im einstigen Salineschuppen und auf der Freifläche Veranstaltungen stattfinden können. Noch sei im Stadtkern kulturell gesehen „tote Hose“, sagt Pöschke. Die Menschen sollten sich mit ihrer Altstadt und dem neuen Bürgerpark identifizieren, ihn annehmen.

Elbaufwärts gebe es noch reichlich Erschließungs-Potenzial. Schönebeck habe den unheimlichen Vorteil, an der Elbe zu liegen, ohne Dämme zu haben. Was in den zurückliegenden Jahren in Magdeburg geschaffen wurde, sollte beispielhaft sein für die Salzstadt, findet der BI-Vorsitzende. Gemeinsam mit dem Elbufer-Förderverein setzt sich die BI für eine Elbufertreppe ein. Damit Besucher die Elbe fühlen können. Aber auch für Wohnhäuser sei Platz. Etwa entlang der Müllerstraße auf dem Gebiet der Amtsbreite und noch weiter elbaufwärts. Noch seien die Grundstückspreise auch bezahlbar, weiß Pöschke. Beim Weg zurück Richtung Fußgängerzone wirft er noch einen Seitenblick auf den Breiteweg.

„Hier wird eine Art Boulevard entstehen“, ist er überzeugt. Und: „Das wird dann eine der schönsten Straßen.“  Durch optische Unterbrechungen, Baumgruppen und die Verengung durch das Barbyer Tor seien die Voraussetzungen bestens. Anders als bei der schier unendlich lang erscheinenden Friedrichstraße. Dass sich hier Geschäfte etablieren können, ist für Pöschke durchaus vorstellbar.

Zu viele abgerissene Häuser, zu viele Brachen, zu großer Leerstand… Die Situation ist insgesamt nicht einfach. Umso wichtiger sei es, attraktives Bauland und bezahlbaren Wohnraum im Zentrum anzubieten. Pöschke sieht auch die Städtische Wohnungsbau GmbH als Tochter der Stadt in der Pflicht. Das habe ihm auch der Garbsener Stadtbaudirektor als unvoreingenommener Beobachter erklärt.

Gerade was die Gestaltung des Marktes und des Rathausquartieres betreffe. So könnte die Altstadtsanierung vorangetrieben und attraktiver Wohnraum geschaffen werden. „Uns fehlen die Leute, die hier wohnen. Den Händlern fehlen Leute, die hier kaufen“, konstatiert Pöschke, als er die Fußgängerzone entlanggeht. Er wird nicht müde werden, sich zu engagieren. Weil er Schönebeck noch als pulsierende Stadt kennt. Demografischer Wandel hin, schlechte Bevölkerungsprognosen her: Potenziale sind da, wieder ein lebendiges und anziehendes Zentrum zu bekommen.