Von Riten und Opfergaben

Ringheiligtum feierlich eröffnet / Neuer Touristenmagnet im Salzlandkreis

(akb). Inmitten von Feldern kann nahe des kleinen Örtchens Pömmelte nun ein weiteres Stück Sachsen-Anhaltinischer Kulturgeschichte bestaunt werden. Auf einem weitläufigen Areal wurde rekonstruiert, was hier vor über 4.000 Jahren einmal gestanden haben soll. Entstanden ist dabei der Nachbau einer rituellen Kultstätte, über 1.000 Holzpfeiler, die mehrere ineinander liegende Kreise formen. Hier trafen sich die Menschen früher, um rituell bedeutsame Gegenstände zu vergraben, verdiente Krieger zu bestatten und vielleicht sogar rituelle Tötungen durchzuführen, die die Götter besänftigen sollten. Heute ist das Ringheiligtum Pömmelte, das seinen Namen durch eine Ausschreibung erhielt, ein Ort der Rückbesinnung geworden – auf unsere Wurzeln, die hier in Sachsen-Anhalt zum Greifen nah sind.

Kreisgrabenanlage PšmmelteBei kräftigem Wind und warmem Sonnenschein wurde gestern das fertiggestellte Projekt an die Öffentlichkeit übergeben. Um die neue Station der „Himmelswege“ in Augenschein zu nehmen, waren nicht nur zahlreiche interessierte Gäste sondern auch hochkarätige Politiker des Landes in den Salzlandkreis gekommen. Das Trommelensemble der Kreismusikschule sorgte für einen beschwingten Beginn der Veranstaltung, danach hatte Landrat Markus Bauer die ehrenvolle aber auch umfangreiche Aufgabe, die Anwesenden zu begrüßen und allen zu danken, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. „Eine Region ist so schön, wie die Bürger sie machen“, sagte Bauer. Die Fertigstellung des Ringheiligtums sei ein weiterer Schritt auf diesem Weg. Man müsse manchmal Grenzen überschreiten, um etwas zu schaffen, und das sei in diesem Fall mit Bravour gelungen. Und ganz nebenbei sei durch die Zusammenarbeit mit vielen Firmen, Personen und Institutionen aus dem Salzlandkreis gleichzeitig aktiv Wirtschaftsförderung betrieben worden.

Die Investitionssumme von 2 Millionen Euro sei nur durch die Hilfe des Landes Sachsen-Anhalts zu stemmen gewesen. Den zweiten wichtigen Faktor, das nötige Expertenwissen, lieferten die Mitarbeiter des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie. Ministerpräsident Reiner Haseloff sieht das Ringheiligtum als Projekt von Bedeutung für ganz Sachsen-Anhalt. Als Meilenstein entlang der „Himmelswege“ müsse es bestmöglich repräsentiert und erhalten werden, führte der Landesvater weiter aus. Dabei sei vor allem die touristische Vermarktung von großer Bedeutung.

Harald Meller, Chef des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, riss in seiner Ansprache sehr unterhaltsam die geschichtlichen Hintergründe des Ortes ab. Dabei verdeutlichte er vor allem das Prinzip des europäischen Gedankens, das seit 4.000 Jahren besteht und auch heute nicht in Vergessenheit geraten soll. Das Ringheiligtum in Pömmelte war schon immer ein Ort, an dem verschiedene Kulturen friedlich zusammentrafen und verschmolzen. Dies soll auch heute so bleiben. Wer die Kultstätte besucht, sollte also sein Augenmerk nicht nur auf das spektakuläre Bauwerk, sondern auch auf die Geschichte der Einheit und Zusammenkunft der Kulturen richten, um diesen Ort der Begegnung ganzheitlich verstehen und erleben zu können.

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