Wie eine Geisterstadt

Elbtor-Anwohnerin erlebte Überflutungen mit

„Es wohnt sich wunderschön hier. Eigentlich.“ Angelika Musche blickt zum Fenster hinaus. Sie wohnt im zweiten Stock eines erst vor wenigen Jahren renovierten Hauses am Elbtor. Der Blick zum Fluss hat etwas Beruhigendes. Normalerweise.

Elbtor-Anwohnerin erlebte Überflutungen mit

Elbtor-Anwohnerin erlebte Überflutungen mit

Dieser Tage ist alles anders. Noch immer steht das Wasser auf dem Platz. Die mobile Spundwand hält es zurück. Es ist Donnerstag, der 13. Juni. Die Erinnerungen an die überfluteten Straßen rings um sie herum sind noch frisch. Angelika Musche schaut zurück. „Am Freitag wurden wir evakuiert.“ Dass sie ihre Wohnung tatsächlich würde verlassen müssen, damit hatte sie nicht gerechnet. „Ich wohne doch oben.“ Doch die Lage spitzte sich zu. An der Müllerstraße brach eine Wand, innerhalb weniger Stunden verwandelten sich mehrere Wege und Straßen in Flüsse.

Fast bis zum Marktplatz bahnte sich das Wasser seinen Weg. „Keiner hat damit gerechnet. Es dachten doch alle, 2002 war die Jahrhundertflut. Auch die Verantwortlichen.“ Die Stimme der Schönebeckerin beginnt zu zittern. Hinter ihr liegen Stunden der Angst. Auch um ihren Vater, der an der Elbstraße lebt – unten. Den 87-Jährigen dazu zu bewegen, sein Heim zu verlassen, war ein Kraftakt. Auch andere Bewohner im Überflutungsgebiet rund um Elbtor und Müllerstraße wollten ihre Wohnungen und Häuser nicht verlassen.

Angelika Musche kann es verstehen. „In einer Nacht wurde versucht, im Elbblick einzubrechen.“ Das Gebiet habe auf sie wie eine „Geisterstadt“ gewirkt. Keine Laterne brannte nachts. „Die Müllerstraße wurde zu spät abgesperrt“, ist Angelika Musche heute überzeugt. Nur wenige Stunden habe es gedauert, bis sich das Wasser ausbreiten konnte. Die Hobby-Fotografin hat es mit der Kamera festgehalten. Sie packte aber auch mit an. Mit anderen Bewohnern des Hauses stapelte sie Sandsäcke am Elbtor. Sie brachte Lebensmittel zu Suppe & Seele. Und erlebte eine Welle der Solidarität. „Wir sind enger zusammengerückt.“ Eine positive Seite der Katastrophe. „Ich hoffe, dass es so bleibt.“