Zwischen Aufbruchstimmung und Olympiasiegen

Schönebecker Team hat Munition des einstigen Sprengstoffwerkes in sichere Fahrwasser gesteuert

Sie ist Marktführer, wenn es um Munition für den Biathlonsport geht. Ihre Exportrate liegt bei 76 Prozent. Die Qualität und Präzision ihrer Produkte ist weltweit gefragt. Die Nammo Schönebeck GmbH, bis vor vier Wochen noch LAPUA GmbH. Ein Name, der für eine Erfolgsgeschichte steht, die vor allem mit einer Feder geschrieben wurde.

Schönebecker Team hat Munition des einstigen Sprengstoffwerkes in sichere Fahrwasser gesteuert

Schönebecker Team hat Munition des einstigen Sprengstoffwerkes in sichere Fahrwasser gesteuert

Mit der von Dr. Georg Plenikowski. Mehr als 18 Jahre stand er an der Spitze. Er hat das einstige Munitions-Flaggschiff der DDR durch unsichere Nachwende-Fahrwasser gelenkt, ohne Schiffbruch zu erleiden. Mit Kathrin Sondershausen hat er vor drei Jahren eine würdige Nachfolgerin gefunden, die die Erfolgsgeschichte weiterschreibt.

So ganz loslassen kann er immer noch nicht. Ruhestand ist für Dr. Georg Plenikowski ein Fremdwort. Auch wenn er bereits 65 Jahre alt ist. „Ich bin so verwurzelt mit der Firma“, sagt der langjährige Geschäftsführer. Ein Leben ohne die Lapua/Nammo, die er noch als VEB Sprengstoffwerk kennt? Unvorstellbar. Doch inzwischen lässt er es ruhiger angehen. Noch gut kann er sich an Zeiten erinnern, die von Aufbruchstimmung, aber auch Existenzängsten geprägt waren.

Als der promovierte Technologie- und Maschinenbauer im Januar 1974 im damaligen VEB Sprengstoffwerk zu arbeiten beginnt, kann er von den großen Umstrukturierungen noch nichts ahnen. Er ist dabei, als das einzige Munitionswerk der DDR Hochleistungsschrotpatronen für den Olympiakader entwickelt. „Wir haben beachtliche Erfolge erzielt.“

Als die Mauer 1989 fällt, zeichnet sich wenig später die Privatisierung des Betriebes ab. Mit der Lapua Oy aus Finnland findet sich ein Investor. Aus der Sprengstoffwerk-Munition wird 1992 die SK Jagd- und Sportmunitions GmbH. Und Plenikowski wird gefragt, ob er die Geschäftsführung übernehmen möchte. „Ich habe nicht lange überlegt.“ Sein Herz schlägt für den Betrieb. Und für die Munition. Er möchte federführend daran mitwirken, dass die Firma überlebt.

Ihm ist schon damals bewusst, dass er Entscheidungen treffen muss, die schmerzhaft sind. Vor allem für einen Großteil der Belegschaft. Aus über 500 Mitarbeitern wurden zur Privatisierung 144 und nach weiteren sechs Jahren sind es nur noch 36. Ein Kraftakt. Die zu hohe Arbeitskräftezahl ist bei weitem nicht das einzige Problem. Die Firma produziert Verluste im siebenstelligen Bereich. Die finnische Mutterfirma steht dennoch voll zu der Firma, fördert und unterstützt sie nach Kräften. Die gesamte Belegschaft in Schönebeck ist froh, dass es so ist.

Lapua GmbH

Lapua GmbH

Auch sie steht zu dem traditionsreichen Betrieb. Neue Ideen und Innovationen sind gefragt. „Wir haben auf das gesetzt, was das Wertvollste in dieser Firma war: das Wissenspotenzial und die Arbeitskräfte, die noch beschäftigt waren und es immer noch sind.“ Das Team entwickelt die Qualität und eine neue Anlage zur Herstellung von KK-Patronen. Das Munitionsschiff kann die unsicheren Fahrwasser verlassen. Plenikowski steuert auf den sicheren Erfolgshafen zu. Aus hohen Verlusten werden nun stetig steigende Gewinne. Aus drei Exportländern werden mehr als 55. Und aus der SK Jagd- und Sportmunitions GmbH wird die Lapua GmbH, die inzwischen in die Nammo-Gruppe integriert ist.

Seit Jahren schätzen auch immer mehr Biathleten die Schönebecker Patronen. LAPUA Polar Biathlon und X-ACT sind weltweit bei den Spitzenathleten gefragt. Bei Biathlon-Patronen ist der Produzent heute Marktführer. Olympiasieger, Weltmeister, Weltcup-Sieger: Sie alle setzen auf Präzision made in Schönebeck. Das macht Plenikowski stolz. Und seiner Nachfolgerin geht es nicht anders. Kathrin Sondershausen empfängt gemeinsam mit ihrem engagierten Team immer mal wieder Trainer, aber auch Athleten aus aller Welt im Stammsitz an der Wilhelm-Dümling-Straße.

Stolz sind beide auch, dass sich das Team wieder vergrößert hat. 70 Topleute arbeiten daran, dass absolute Präzision, perfekte Qualitätseigenschaften und hohe Zuverlässigkeit erhalten bleiben. Die Geschäftsführung abzugeben ist Plenikowski „in doppelter Hinsicht leicht gefallen“, sagt er. Als Geschäftsführer der Nammo Germany GmbH könne er an strategischen Konzernthemen weiter mitwirken.

Und mit Kathrin Sondershausen hat er eine Nachfolgerin gefunden, die „vom fachlichen und menschlichen her die Schönebecker Mannschaft zu weiteren Erfolgen führen kann.“ Das stellt sie seit drei Jahren unter Beweis. Denn auch ihr Herz schlägt für Lapua und Nammo.