Zwischen Visionen und schlaflosen Nächten

Andreas Schlüter ist heute einer der größten Arbeitgeber der Stadt

Er wollte eigentlich Schiffsmaschinenbau studieren. Dass dieser Traum geplatzt ist, macht Andreas Schlüter längst nichts mehr aus. Der 52-Jährige hat neue Träume wahr werden lassen. Heute ist er einer der größten Arbeitgeber in Schönebeck. 

Schlüter Print Pharma Packaging GmbH

Schlüter Print Pharma Packaging GmbH

Die Salzperle hat mit dem Geschäftsführer der Schlüter Print Pharma Packaging GmbH über Erfolgsrezepte, schlaflose Nächte und Visionen gesprochen. „Die Ein-Mann-Show war einmal.“ Andreas Schlüter kann sich heute schon einmal zurücklehnen, hat den Kopf frei. Die gut aufgestellte Mannschaft ist sein Geheimnis. Mitarbeiter, die von der Pike auf im Unternehmen gelernt haben, agieren inzwischen in verantwortungsvollen Posten. Die Last ist auf mehrere Schultern verteilt. Das lässt auch den Chef ruhiger schlafen. Vor etwas mehr als zehn Jahren sah das noch anders aus. Da hat der 52-Jährige nahezu rund um die Uhr gearbeitet. Freie Wochenenden kannte er nicht. War er nicht persönlich in der Firma, dann zumindest mit den Gedanken. Eine permanente Belastung, die nicht „spurlos an mir vorübergegangen ist“, gesteht der Unternehmer. Doch die Strapazen haben sich ausgezahlt.

Die Schlüter Print Pharma Packaging GmbH ist seit 1992 kontinuierlich gewachsen – jährlich im zweistelligen Prozentbereich. „Wir wachsen aus unserem vorhandenen Kundenstamm“, erzählt Schlüter. Und das sind vor allem Konzernkunden. Europaweit. „Wir haben mittlerweile einen sehr guten Namen.“ Ihren Umsatz im jährlich zweistelligen Millionenbereich macht die Schönebecker Firma zu 92 Prozent mit pharmazeutischen Packmitteln. Rund 8 Prozent des Umsatzes macht Bordliteratur für die Automobilindustrie aus. Das war nicht immer so. Als sein Großvater die Druckerei im Jahr 1918 gründete, stand der klassische Werbedruck im Mittelpunkt. 1972 geriet die Druckerei in staatliche DDR-Hände. „Die Kommunisten haben sie in fünf Jahren kaputt gewirtschaftet“, erinnert sich Andreas Schlüter. Auf Umwegen sei es seinem Vater 1977, als der staatliche Betrieb geschlossen wurde, gelungen, ein Gewerbe zu bekommen. Über Strohmänner konnte er Druckmaschinen kaufen und den Familienbetrieb endlich weiterführen. Dank seiner Kontakte zur Pharmaindustrie erweiterte er das Produktportfolio. 1989 dann der Wechsel an der Spitze. „Ich habe eine funktionierende, umsatzstarke Druckerei mit guter Auftragssituation übernommen“, blickt der heutige Chef zurück. Seit 1986 hat er die Firma schon mitgeleitet.

Schlüter Print Pharma Packaging GmbH

Schlüter Print Pharma Packaging GmbH

Die politische Wende war für ihn Segen und Wagnis zugleich. 1991 kaufte er ein Grundstück am Grundweg, investierte konsequent in sehr produktive Technik. Mehrere Millionen D-Mark hat diese gekostet. Da hatte Schlüter manch eine schlaflose Nacht. „Es war ein Schritt in die Ungewissheit“, gibt der 52-Jährige unumwunden zu. Doch sein Erfolgsrezept ist aufgegangen. Die Zutaten: Ehrgeiz, Energie und seine innovativen Ideen auf der einen Seite, exzellente Mitarbeiter und Top-Technik auf der anderen. 140 Mitarbeiter, darunter 13 Auszubildende, gehören inzwischen zum Stamm. Rund 30.000 Aufträge im Jahr und 8.000 Tonnen verbrauchtes Papier zeugen vom Erfolg. Doch inzwischen bekommt die Firma die Globalisierung zu spüren. Billiganbieter aus Osteuropa und der Türkei drängen auf den Markt. „Unser Vorsprung ist unser Know-How. Aber auch unsere Maschinen und unsere Mitarbeiter“, fasst Schlüter zusammen.

Und das ist gerade in der Pharmazie essentiell. Darum setzt der Schönebecker auf ein ausgeklügeltes Qualitätsmanagement. Fehler kann er sich nicht leisten. Um diese Verantwortung weiß er. Visionen hat der 52-Jährige noch immer. Auch wenn er noch nicht zu weit in die Zukunft blicken mag. Seine Tochter, die derzeit staatliches Wirtschaftsrecht studiert, wird den Familienbetrieb wohl nicht weiterführen. Sie hat eigene Pläne. „Ich zwinge sie auch nicht“, sagt Schlüter. An den eigenen Ruhestand denkt er noch nicht. Wohl aber an Freizeit, an Ausgleich. Wenn es heißt „Leinen los“, und er seinem Segel-Hobby nachgehen kann, dann lässt er für diese Zeit auch los. Weil er die Gewissheit hat, dass die Ein-Mann-Show-Zeiten Geschichte sind …