Zwischen Wahlkampfparolen und Herausforderungen für das Handwerk

Verspäteter Neujahrsempfang von CDU und Mittelstandsvereinigung: Musik, Reden und Gaumenfreuden

Es war fast mehr ein Wahlkampf- denn ein Neujahrsempfang. Gut fünf Wochen vor der Landtagswahl nutzte Gunnar Schellenberger Donnerstagabend im Dr.-Tolberg-Saal die Gelegenheit, während seiner ausschweifenden Begrüßung für seine Ziele und die seiner Partei zu werben. Das Land brauche klare Verhältnisse und Kontinuität – in vielen Bereichen. “Man kann sich auch kaputtsparen”, sagt der CDU-Direktkandidat für Schönebeck, Calbe und Barby und will dafür kämpfen, Schulstrukturen zu erhalten sowie die Anzahl von Lehrern und Polizisten in Sachsen-Anhalt zu erhöhen. Der Empfang von CDU und Mittelstandsvereinigung hatte aber neben Wahlkampfparolen noch mehr zu bieten – wunderschöne Instrumentalmusik von zwei Mitgliedern der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, ein leckeres Buffet und eine zukunftsweisende Rede von Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle.

Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle.

Thomas Keindorf, Präsident der Handwerkskammer Halle.

Neujahrsgrüße im Februar? Laut Knigge ist das schon zu spät. Zwei Wochen zu spät. Und so sparte sich Thomas Keindorf die Wünsche für 2016. Der Präsident der Handwerkskammer Halle und Ehrengast des Neujahrsempfangs von CDU und Mittelstandsvereinigung, kam direkt zum Kern seiner Rede – das Handwerk im Niedergang. Was vor rund 100 Jahren aufgrund der Industrialisierung in diese Richtung lief, sei heute ähnlich. Einzig der Grund ist ein anderer: die zunehmende Digitalisierung. “Alles wird online erledigt”, so Keindorf. Das stelle die Handwerker vor Ort vor große Herausforderungen.

CDU-Direktkandidat Gunnar Schellenberger.

CDU-Direktkandidat Gunnar Schellenberger.

Allein mit ihrer Qualität könnten sie nicht mehr punkten. Das “Handwerk 4.0” sei gefragt. Die Handwerker müssten nach außen deutlich machen, dass sie nicht nur für hochwertige Produkte stehen, sondern eben auch für Lebensqualität. Keindorf nannte die Bäcker als Beispiel, die ob der industriell in Massen produzierten Billigbackwaren in Discountern unter Druck stehen. Sich hier hervorzuheben mit besonderen Produkten und Qualität sei für die Existenz enorm wichtig.

Und damit die Fachkräfte nicht in Richtung industrieller Leuchttürme abwandern, bedarf es guter Bedingungen. Der Präsident der Handwerkskammer sprach die so genannte Work-Life-Balance an, von der Arbeitnehmer in Handwerksbetrieben profitieren können. Nicht zuletzt müsse die Akzeptanz handwerklicher Arbeit wieder steigen. “Gute Arbeit kostet eben auch gutes Geld.”